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Kommunbrauhaus Junkersdorf: Eine wahrlich goldene Bieridee ...

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Kommunbrauhaus Junkersdorf: Eine wahrlich goldene Bieridee ...

Samstag früh um 8 Uhr: Schon von weitem ist der Rauch zu sehen. Die fränkischen Fahnen wehen im Winde. Verdutzte Kühe stehen auf der Weide. Die aufgeregten Gänse schnattern und Willis Schweine schicken uns ihre Hausfliegen zum Gruße ins Brauhaus ...
 
KommunbrauhausDer Brautag in Junkersdorf beginnt. Es wird wieder gebraut im alten Kommunbrauhaus. Die Einheimischen freuen sich wieder auf neues Hausbrauerbier. Das alte Hausbrauer (vom Vorsud) kann bereits seit Freitag Mittag im Gärkeller gezapft werden. Axel und Kurt bereiten dann schon das Brauwasser für den Samstag vor. 30 hl werden zum Kochen gebracht. Da ist ein Ster Holz schon gleich verschürt. Bis tief in die Nacht wird meist mit der Dorfjugend- geschürt und probiert (der arme Kurt). Zum Einmaischen füllt sich das Brauhaus immer mehr. Unsere Brauerfreunde aus Erlangen vom VFFB nehmen drei Rührhölzer in die Hand. Max schaltet die Schrotmühle zum Probelauf ein. Das gequetschte Malzkorn wird kontrolliert. Passt!

Jetzt durchlaufen 4 Ztn Pim, 4 Ztn MM und 10 kg Rauchmalz die Schrotmühle und landen im Maischebottich. Das Malz beziehen wir seit dem 1. Sud am 12.12.1998 von Christoph Gewalt aus der Brauerei Steinbach in Erlangen. Ein 4. Rührholz wird eingesetzt. Axel ist auch schon da! 13 hl Wasser bei ca. 57 Grad laufen in den Maischebottich. Während im Maischebottich kräftig gerührt wird, wird das restliche Wasser in der Sudpfanne zum Kochen gebracht. Es erfolgt ein Nachguss mit weiteren 13 hl heißem Wasser. Der Maischebottich fasst jetzt ca. 28 hl bei 63 Grad. Die folgende Maltoserast nutzen wir für die 1. Brotzeit im Brauhaus. Brotzeit ist doch die schönste Zeit.

Blick zurück wie die Geschichte entstand:
Im Juli 1991 entscheidet der Gemeinderat: Das alte Brauhaus soll verkauft werden. Wochen später wird das 200 jährige Gebäude auch noch in die Denkmalschutzliste aufgenommen, was für den Verkauf noch erschwerend wird. Im Juli 1995 finden sich dann doch endlich drei Privatpersonen, die das alte Kommunbrauhaus käuflich erwerben.
Ludwig Müller, Axel Fella und Kurt Maria Adler wollen mit den alten vorhandenen Braugerätschaften wie vor 100 Jahren selber Bier brauen. Nach einer Notsicherung im folgenden Winter und all den Zuschussanträgen begann dann die 3jährige eigenhändige Renovierungszeit am Brauhaus. Vom Gärkeller bis zum Dachgeschoss wurde das Brauhaus restlos entkernt und mit neuen alten Werkstoffen wieder aufgebaut.

Erster Brautag am 12.12.1998:
Axel, Ludwig und Kurt brauten ihr erstes Bier im eigenen Brauhaus. Dabei Walter Simon, unser Braulehrer von der VHS. Telefonische Beratung erfolgte durch Markus Metzger (Schuldirektor in Karlstadt). Der einzige Junkersdorfer war Mario Rexhäuser. Das Ergebnis des 1. Sudes war a Weiberbier, bernsteinfarben und süß.

In alt vergangenen Zeiten war noch mehr Hopfen drin. Das Bier hatte dann von März bis Oktober im hauseigenen Felsenkeller gelagert. Nun ja: wenn es dann einmal im Sommer sauer war, hat man halt mit Natron nachgeholfen. Heut hälts nicht so lang, weils ja schneller getrunken wird.

Nachdem der Schornstein jetzt wieder regelmäßig rauchte, kam uns die Idee mit einem Fest; ein Brauhausfest rund ums Brauhaus, neben den Kühen und den Gänsen, freisitzend zwischen einem Holzstoß und der Weissach. Bunt bestuhlt und betischt mit regionalen Speisen vom heimischen Metzger Peter Finni und dem Sonntagsbraten von unserem Max Köppl Steuerberater seines Faches-. Gedacht getan: Seit Juli 2001 findet alle 2 Jahre das Junkersdorfer Brauhausfest statt. Von Sonntag Mittag bis Sonntag abend genießen wir das Selbstgebraute und die Schmankerln am Brauhaus.

Zum Bier:
Im Prinzip versuchen wir unser Kellerbier immer nach dem gleichen Rezept zu brauen. 8 Zentner Malz ergeben ca. 20 hl Hausbrauerbier. Je nach Überfüllung im Brauhaus und dem stets wechselnden Sudführer kann es aber zu leichten Geschmacksveränderungen führen.

Es gab drei Ausnahmen zum Kellerbier:

  • SUD 34 /2005, unser 1. obergäriges Weizenbier, vergoren im Maischebottich.
  • SUD 53, unseren 1. Bock, genannt Hutzebock, gebraut mit Norbert Hümmer (Füllmeister)
  • SUD 57, unser Erlanger Retro Henninger Reifbräu aus den 70ern mit Sudführer Ernst Fischer, zu seinem 75. Geburtstag.

Zu unserer großen Freude erhielten wir auch zwei Preise:

  • 2001 den Denkmalschutzpreis der Hypo- Kulturstiftung (LRA Hassberge) und
  • 2009 vom Bayerischen Brauerbund in München den Preis für die Goldene Bieridee.

Eines unserer nächsten Ziele ist die erneute Inbetriebnahme unseres zweiteiligen Berieselungskühlers aus Kupfer (Brauerei Dirauf, Pfarrweisach). Außerdem versuchen wir noch eine Handmaischepumpe zu erwerben. Der Platz im Brauhaus ist dafür schon reserviert.

Im Juli 2015 findet unser 8. Brauhausfest in Junkersdorf statt. Hierfür werden Axel, Ludwig und Kurt (alleine) das Festbier brauen. Nach der Sommerpause im Oktober 2015 wird dann wieder eingemaischt. Braubegeisterte sind dann wie stets herzlich willkommen.

An unseren Brautagen werden wir immer von unsereren Brauerfreunden vom VFFB (braukultur-franken.de) unterstützt. Der Verein zur Förderung der Fränkischen Braukultur wurde am 02.02.2002 im Tennenloher Schlößla gegründet. In dem fränkischen Verein mit ca. 150 Mitgliedern gibt es die verschiedensten Braugruppen die mit Brauanlagen von 10 bis 100 l Bier brauen.

In diesem Sinne – allzeit gut Sud

Kurt Maria Adler (1.Vorstand VFFB)

Einen weiteren Artikel über Junkersdorf findet ihr im Schalander Nr. 7.

Und einige Bilder findet ihr auf der Webseite der Braugruppe Mühlenbräu.

20.01.2015, 13:59 von Daniel | 9414 Aufrufe
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