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VHD Intern - Interview mit Walter Simon

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VHD Intern - Interview mit Walter Simon

Was Du schon immer über die VHD e.V. wissen wolltest .... Dich aber nie zu fragen trautest!

Holger Pohl (H.P.) hat sich getraut und dem ersten Vorsitzenden der VHD e.V. Walter Simon (W.S .) schriftlich eine Latte von Fragen zukommen lassen. In Fulda nahm Holger an seinen ersten Hausbrauertagen (HBT) teil und ihm wurde klar, dass er als Neumitglied der VHD e.V. eigentlich recht wenig weiß, wie diese entstanden ist und wie sie arbeitet. Im Folgenden geht es um die jüngere Vereinsgeschichte, die Regularien der Bierprämierung, die Qualität der Bierverkoster aber auch um Lust und Frust im Vereinsleben überhaupt.

H.P.: Die VHD wurde vor ziemlich genau fünf Jahren in Kulmbach gegründet. Einen deutschlandweiten Verein ausgerechnet in einer Kleinstadt wie Kulmbach zu gründen, bedarf ja wohl einer großen Planung. Was waren Deine Beweggründe, das Hobbybierbrauen eigentlich deutschlandweit zu organisieren und wie lief das damals in groben Zügen ab?
W.S.: Die Idee zu einem Verein kam nicht von mir, denn ich bin kein Vereinsmensch. In meinen Kursen fragte man hin und wieder nach Möglichkeiten des Austauschs und der Information. Ich hatte aber keine Zeit das zu organisieren. Martin aus Hamburg rief 6 deutsche Leser (ich war darunter) der amerikanischen  Zymurgy zusammen, um einen Hausbrauerkongress (damaliger Arbeitstitel) zu veranstalten. Damit das finanziert werden konnte, mußte eine Basis gegründet werden, die dann den Verein darstellte. Da ich damals als Braumissionar Kurse zum Hobbybrauen deutschlandweit anbot, hatte ich durch die Kursteilnehmer ein großes Potential an Gleichgesonnenen. Einen ausgewählten Teil konnte ich zur Vereinsgründung einladen. Damals waren viele aus Himmelkron und Bamberg anwesend. So ergab sich auch der Gründungsort Kulmbach.

H.P.: Die „Kulmbacher Kommunbräu“ als Gründungsort hat ja wohl dadurch in der VHD einen besonderen Standpunkt. Gibt es daher nicht die Möglichkeit, die Kommunbräu irgendwann wieder einmal als Tagungsort in Franken auszuwählen?
W.S: Vom Prinzip her ist die „Kommunbräu“ in Kulmbach eine Gasthausbrauerei wie die „Wiesenmühle“ in Fulda und viele Gasthausbrauereien in Deutschland, nur in einer kleineren Stadt. Das sie Gründungslokal ist, heißt nicht zwangsläufig, das dort einmal HHBT stattfinden werden. Ein Veranstalter der Region kann sie in seine Planung einbeziehen, um das Programm auszufüllen. Ich sehe uns nicht als Zirkus, der herumzieht und Gaststätten den Umsatz hebt. Es muß auch das Umfeld stimmen.

H.P.: Zurück zu Fulda, dem letzten Austragungsort der Hausbrautage. Hat der Zuspruch des Besuchs in Fulda den Erwartungen entsprochen?
W. S . : Da Fulda doch weiter von den Schwerpunkten des Hobbybrauens entfernt ist und kaum Hobbybrauer der Region in der VHD organisiert sind, erwartete ich nicht all zu viele Teilnehmer. Als Michael aber seine Planung vorlegte und auch Werbemöglichkeiten ausschöpfte, wollte ich mich überraschen lassen. Am Schluß übertraf der gute Besuch in Fulda fast meine Erwartungen. So erlebte ich hier nach einer mager besuchten HV in Karlstadt (ohne HHBT) die bisher bestbesuchte Versammlung der VHD.

H.P.: Am Samstag war neben den einzelnen Ausflügen wohl die Bierverkostung und Bierbewertung der Hobbybrauerbiere der wohl am meisten entgegengefieberte Punkt auf der Tagesordnung. Trotzdem konnte ich als Jungbrauer eben bei der „Urteilsverkündung“ beobachten, das die Ergebnisse offensichtlich teilweise „nachgekartet“ worden sind. Daher die Frage: „Wie sicher können die Hobbybrauer von einer gerechten, objektiven Bewertung ihrer Ergebnisse sein?“
W.S.: Alle Entscheidungen, die von anderen getroffen werden, sind immer Anlaß zur Kritik. Das berührt mich nicht sehr. Kein Tester macht sich die Entscheidung leicht und versucht unbefangen zu bewerten. Das schlechteste und beste Ergebnis werden außerdem gestrichen.

H.P.: Die Qualitäten aller Prüfer in allen Ehren. Dennoch könnte man doch argumentieren, dass die Prüfer trotzdem Mitglieder unseres Vereins sind. Wir können uns zwar glücklich schätzen, das wir solche Fachmänner haben. Wäre es aber nicht trotzdem denkbar, vereinsunabhängige Prüfer für diese oftmals heikle Prüfungsgeschichte zu nominieren, sprich einzuladen?
W.S.: In wieweit beeinträchtigt die Vereinszugehörigkeit die Qualität der Prüfer ? Da mache ich mir eher Sorgen über einen unabhängigen Fachmann, der in seiner Lehrmeinung einer Brauerschule festgefahren ist und Hausbrauerbier nach Maßstäben für Massenbier bewertet. Wir haben im Vorfeld der HHBT immer Tester eingeladen, doch rennen diese uns nicht das Haus ein. Wir haben also immer zu wenige. Auch die Information auf der Einladung zu den HHBT brachte uns nicht viel weiter.

H.P.: Da innerhalb der Flaschenpost zum Beispiel eine Neuordnung der Prüfung schon mehrmals diskutiert wurde, stellt sich für den Flaschenpostleser die Frage, ob bereits eine Neuordnung oder zu mindestens mögliche Änderungspunkte für die Hausbrauertage 2001 besprochen worden sind?
W.S.: Ich habe noch keine Verkostung erlebt, die der vorherigen gleich war. Es gab bisher bei jeder schon Änderungen im Vergleich zum Vorjahr. So wird es auch 2001 wieder etwas anders sein, obwohl die Bewertungskriterien sich kaum oder gar nicht ändern.

H.P.: Welche Befähigungen muß ein „einfacher“ Hausbrauer oder Hobbybrauer erfüllen, um selbst einmal Prüfer einer Bierverkostung der VHD zu werden?
W.S.: Er muß sich davon lösen, nur seine Lieblingssorte als gut zu beurteilen. Er sollte auch fremden Rezepten gegenüber offen sein und am besten solche Biere etwas kennen.

H.P.: Kann man die jeweilige Prüferzusammensetzung und die Bewertungskritererien nicht, genauso wie die Namen der jeweiligen Verantwortlichen der VHD, am Tagungsort bekannt geben? Am besten wäre vielleicht sogar eine kurze Vorstellung mit Foto. Ist eine solche Vorbereitung für die Besucher der Hausbrauertage innerhalb der Ausschreibung oder in der Flaschenpost denkbar bzw. überhaupt machbar? Warum wurden solche prüfungstechnischen Kleinigkeiten nicht schon längst getätigt?
W.S.: Wenn genügend Prüfer sich rechtzeitig gemeldet haben, können diese auch vorher bekannt sein. Solche Vorschläge können umgesetzt werden, wenn ausreichend Mitarbeiter für die Vorbereitung gefunden werden. Jede Kleinigkeit nach außen, kann großen Aufwand intern bedeuten.

H.P.: Als Gründungsmitglied und erster Vorsitzender der VHD hast du ja die Geschicke des Vereins seit der ersten Stunde beobachtet und gelenkt. Jetzt nach den ersten fünf Jahren unseres Vereinslebens stellt sich ja die Frage: Was würdest du ändern? Oder besser: Welche Dinge in unserem Vereinsleben stören dich oder haben dich persönlich aufgeregt?
W.S.: Wie in jedem Verein sind zu viele Mitglieder einfach nur passiv. Die einfachen Ziele der VHD - Verbreitung des Hobbybrauens - sollten mehr umgesetzt werden. Klagen über seltenes Erscheinen der „Flaschenpost“ bringen uns nicht weiter und sind eigentlich ein Eigentor. Jeder kann seinen Beitrag dazu leisten. Kritik an den Hausbrauertagen fällt leicht, doch wer nimmt schon die Mühe der Organisation auf sich? Am Verein stört mich die zunehmende Verwaltungsarbeit. Ich stehe lieber an der Sudpfanne, als jetzt am Schreibtisch zu sitzen. Was mich am Vereinsleben persönlich aufregt? Nichts. Wenn es der Verein doch soweit bringen würde, dann wüsste ich sofort, was tun. Da gibt es noch andere Sachen als Vereinsarbeit.

H.P.: Was kann ein einfache Mitglied dagegen tun, manche diese Situation zu ändern oder zu verbessern?
W.S.: Das Mitglied sollte einfach öfter Kontakt zu anderen oder zur Öffentlichkeit suchen. Lokale Treffs anregen oder veranstalten, für die „Flaschenpost“ Beiträge liefern und die Ziele der VHD verbreiten.

H.P.: Welche Tage oder Events bleiben bei dir positiv in Erinnerung?
W.S.: Alle HHBT natürlich. Mit allen ihren Ereignissen. Sonst alles, was mit dem Haus- und Hobbybrauen zu tun hat und einfallsreich ist.

H.P.: Wie ich von Kollegen aus Hessen beiden Hausbrauertagen in Fulda gehört habe, regiert innerhalb der Bundesländer offensichtlich eine unterschiedliche Gewichtung der Hobbybrauerbierbesteuerung. Wie weit ist die VHD hinsichtlich des Biersteuergesetzes für Hobbybrauer gekommen?
W.S.: Wer mehr braut, muß nur noch einmal pro Jahr seine Steuer zahlen. Ansonsten geht´s immer noch munter durcheinander. Wer Schwierigkeiten hat, soll seinem Hauptzollamt (HZA) das Hauptzollamt Bamberg als Ratgeber benennen und den Schriftverkehr sammeln und an die VHD schicken. Wir sammeln das. Inzwischen dürfen sogar Braukurse der Erwachsenenbildung (VHS) und öffentliches Schaubrauen rechtlich einwandfrei stattfinden. Allerdings ist die Besteuerung wieder Ermessenssache des HZA.

H.P.: Unabhängig von Dir als Kursleiter für das Bierbrauen, sollte vielleicht eine „Notfalladresse“ innerhalb der VHD eingerichtet werden, die allen Hobbybrauern mit Rat und Tat zur Seite steht, wenn sie mitten im Brauen ein Problem haben oder Fragen zur Anlagenaufrüstung haben. Könnte man diese Idee innerhalb unseres Vereins realisieren oder ist sie vielleicht schon realisiert worden?
W.S.: Die Idee ist nicht schlecht, scheitert aber an der Erreichbarkeit der Ratgeber im entscheidenden Augenblick, meist am Wochenende oder zur Nachtzeit. Wir bräuchten mehr verfügbare Personen, dann wäre das ideal.

H.P.: Inwieweit sind Veranstaltungen wie der Aschauer Hobbybrauermarkt eine Konkurrenz oder Förderung zu unserer VHD?
W.S.: Da Deutschland groß ist, empfinde ich keine Veranstaltung, die sich seriös mit Hobbybrauern befasst, als Konkurrenz, je mehr je besser. Vielleicht gibt es noch andere Gruppen, die etwas besser oder anders machen als wir, davon können wir lernen. Abgrenzung und Besserwisserei schadet uns allen.

H.P.: Haben wir auch befreundete ausländische Brauervereine, die mit der VHD eine Partnerschaft oder zumindest regelmäßige Kontakte unterhalten?
W.S.: Mir sind da nur die Schweizer bekannt. Sie wurden auch schon von ein paar Mitgliedern besucht und waren mit einem Bus bereits im Frankenland, wo sie den Erlanger Hobbybrauer – Stammtisch trafen. Ansonsten beschränken sich die Kontakte auf private Bereiche.

H.P.: Wann ist mit dem zweiten Teil von Ladidel´s Hobbybrauerbeschreibung, vielleicht diesmal für Fortgeschrittene oder Umbauer oder Profis zu rechnen?
W.S.: Da gibt´s noch keinen Termin. Aber möglich ist das schon. Meine Bücher werden sich in erster Linie immer an die Anfänger wenden, bestimmt nicht an die, die Kochrezepte mit Bier suchen. Natürlich werden meine Erfahrungen der letzten Zeit darin zu finden sein. Ganz klar aber stehe ich zum einfachen handwerklichen Brauen, denn ich werde nicht die sterile Technik gutheißen, die unser Selbstgebrautes zudem machen würde, von dem wir wegwollen. Ich warne alle: Die Sorten „Klarstein“ und „Unding“ gibt es schon, die brauchen wir nicht selbst brauen.

H.P.: Was wünscht du dir als erster Vorsitzender am meisten für unseren Verein?
W.S.: Ich wünsche mir, das er nicht zu einem Vorstandsverein wird, sondern das mehr Mitglieder sich aktiv einbringen.

HOLGER POHL UND DIE FLASCHENPOST BEDANKEN SICH FÜR WALTERS ANTWORTEN

13.03.2009, 22:29 von Sinister | 2481 Aufrufe
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